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Ein audiovisuelles Projekt über das, was wir übersehen

In Zeiten, in denen wir uns täglich zu kriegerischen Realitäten verhalten müssen, möchte ich eine pazifistische Haltung einnehmen – nicht durch politische Statements, sondern indirekt und subtil, durch radikale Entschleunigung. Die Dringlichkeit der Krisen unserer Zeit hat eine Eigenart: Sie verdrängt. Themen wie der Klimawandel, die biologische Vielfalt, das langsame Verschwinden von Lebensräumen – sie verlieren an Aufmerksamkeit, nicht weil sie uns nicht betreffen, sondern weil sie sich nicht schreien. Ich frage mich: Was wäre, wenn wir dem Wachsenden dieselbe Aufmerksamkeit schenkten wie dem Zerstörenden?

Knospenexplosion versucht genau das. Das Werk richtet die Aufmerksamkeit auf einen sehr langsamen, sehr stillen Prozess: die vollständige Verwandlung eines Löwenzahns – von der Keimung durch die strahlende Blüte bis zur Verstreuung der Samen in die Luft. Gezeigt aus der Perspektive einer Ameise, wird das, was wir täglich mit dem Schuh zertreten, zum Monument. Die Animation von Dan Shachar macht das Flüchtige sichtbar, das Übersehene gross, das Vergängliche ewig – zumindest für ein paar Minuten.

In einer Welt, die das Laute feiert, was überhören wir dabei?

Das Werk knüpft dabei bewusst an die Tradition der Vanitas-Stillleben des Barocks an, die in ihrer Blütezeit im 17. Jahrhundert Schönheit und Vergänglichkeit als untrennbar begriffen. Flämische Maler wie Jan Davidsz. de Heem versteckten im selben Bild, das eine Blume in vollster Pracht zeigte, bereits die Zeichen des Verfalls – eine welkende Blüte, ein Insekt, eine zerbrochene Muschel. Knospenexplosion folgt derselben Logik: Der vollständige Lebenszyklus der Pflanze ist immer auch ein Sterben. Die Schönheit liegt nicht trotz der Vergänglichkeit – sie liegt genau darin.

Die Musik, die dieses Bild begleitet, ist keine Untermalung. Sie ist ein eigenständiger Organismus. Komponiert für Streichquintett (zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass) und Klavier sowie Marimba und Perkussion, wurde sie im März 2026 live in Budapest eingespielt. Die Entscheidung, auf digitale Instrumentenbibliotheken zu verzichten, war keine pragmatische – sie war eine Haltung. Software kann Töne imitieren. Sie kann keinen Atem imitieren. Ein Ensemble, das gemeinsam spielt, hört sich gegenseitig, reagiert, atmet. Die Seele der Musik entsteht im Moment des Spielens selbst – in der menschlichen Interpretation, die keine Automation reproduzieren kann, egal wie präzise programmiert.

Bild und Musik begegnen sich im Werk, aber sie folgen sich nicht. Der Film läuft in einem Zyklus von zwölf Minuten; die Musik folgt ihrem eigenen Rhythmus von neun Minuten. Dieses bewusste Verhältnis bedeutet: Beide decken sich erst nach 36 Minuten vollständig – um danach wieder auseinanderzudriften. Wer eintritt, steigt mitten in eine Begegnung ein, deren Anfang er nicht kennt. Wer bleibt, erlebt das Werk jedes Mal anders. Es gibt keinen richtigen Moment zum Kommen. Nur diesen hier.

Knospenexplosion ist ein erster Schritt einer grösseren künstlerischen Reise. Die Frage, ob radikale Entschleunigung als eigenständige ästhetische Form tragen kann, lässt sich in zwölf Minuten beginnen – aber nicht ausschöpfen. Aus dieser Arbeit soll ein erweitertes audiovisuelles Werk entstehen: dieselbe Haltung, dieselben kompositorischen Prinzipien, in voller Ausdehnung. Etwas beginnt immer gerade.

— Vlado Repic, Zürich 2026

Knospenexplosion ist ohne institutionelle Vollfinanzierung entstanden – getragen von Überzeugung, Eigenleistung und dem Glauben daran, dass langsame Kunst ihren Platz verdient. Die Aufnahmekosten für die Live-Musiker sind noch nicht vollständig gedeckt. Wenn dich dieses Werk berührt hat und du möchtest, dass es vollständig realisiert werden konnte, freuen wir uns über deinen Beitrag – gross oder klein.

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